Die Welt stand förmlich still, als der Citroën DS in den 1950er Jahren der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Kein anderes Fahrzeug seiner Zeit bot eine derart radikale Abkehr vom traditionellen Automobildesign. In diesem umfassenden Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf die faszinierende Geschichte, die revolutionäre Technik und die zeitlose Eleganz der Göttin.

Ein Paukenschlag der Autogeschichte: Der Moment der Enthüllung
Um die Tragweite dieses Fahrzeugs zu verstehen, müssen wir eine Zeitreise ins Paris der Nachkriegszeit unternehmen. Am 5. Oktober 1955 öffneten sich die Tore des Grand Palais. Der 1955 Paris Motor Show impact – also der historische Einschlag, den diese Messe auf die Automobilwelt hatte – lässt sich kaum in Worte fassen.
Die Konkurrenz präsentierte Modelle im konservativen Ponton-Stil, oft noch mit separaten Kotflügeln und starrer Linienführung. Doch am Stand von Citroën trauten die Besucher ihren Augen kaum. Dort stand der brandneue Citroën DS 19. Er sah nicht aus wie ein Auto aus dem Jahr 1955, sondern wie ein Raumschiff, das direkt aus der Zukunft gelandet war.
Die Reaktion des Publikums war beispiellos. Innerhalb der ersten 15 Minuten nach der Enthüllung wurden 743 Bestellungen aufgegeben. Am Ende des ersten Tages waren es rund 12.000, und bis zum Ende der Messe verzeichnete Citroën unfassbare 80.000 Vorbestellungen. Ein Rekord, der über Jahrzehnte hinweg ungeschlagen bleiben sollte.
Warum ein völliger Neuanfang?
Oft stellen sich Autoliebhaber und Historiker heute die Frage: Why was the Déesse revolutionary? Warum war die Göttin so revolutionär?
Die Antwort liegt in der absoluten Kompromisslosigkeit der Entwicklung. Der Vorgänger, der Citroën Traction Avant, war in die Jahre gekommen. Die Geschäftsführung von Citroën gab den Ingenieuren und Designern einen simplen, aber waghalsigen Auftrag: Erschafft das beste, sicherste und komfortabelste Auto der Welt. Kostengedanken und bestehende Normen durften keine Rolle spielen. Das Ergebnis war ein Auto, das in den Bereichen Aerodynamik, Hydraulik und Materialnutzung (wie dem Dach aus leichtem Fiberglas und einer Motorhaube aus Aluminium) völlig neue Maßstäbe setzte.
Design aus einer anderen Welt
Die fließenden, organischen Linien des Citroën DS waren kein Zufall. Die Optik basierte maßgeblich auf der Flaminio Bertoni design philosophy. Der italienische Bildhauer, Architekt und Automobildesigner Flaminio Bertoni formte die Karosserie nicht am Reißbrett, sondern modellierte sie wie eine Skulptur aus Plastilin.

Zusammen mit dem Aerodynamik-Ingenieur André Lefèbvre schuf Bertoni eine Form, die den Windwiderstand minimierte und gleichzeitig maximale Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten bot. Diese Ästhetik, in der internationalen Klassiker-Szene oft als shark-nose aerodynamic styling (Haifischnasen-Aerodynamik) bewundert, kam völlig ohne den damals üblichen massiven Kühlergrill aus. Die abgedeckten Hinterräder, die tropfenförmige Grundform und die rahmenlosen Seitenscheiben trugen zur unvergleichlichen Eleganz bei. Der DS schien über die Straße zu gleiten, selbst wenn er nur parkte.
Ein fliegender Teppich: Technik, die begeistert
Das Design zog die Menschen an, aber die Technik unter dem Blech war es, die den Citroën DS unsterblich machte. Das Herzstück des Wagens war ein komplexes Hochdruck-Hydrauliksystem.
Hinter diesem Wunderwerk steckte die Paul Magès hydraulic innovation. Paul Magès war kein studierter Ingenieur, sondern ein brillanter Autodidakt. Er entwickelte ein zentrales Hydrauliksystem, das mit einem Druck von rund 170 Bar arbeitete und nahezu alle wichtigen Fahrfunktionen steuerte.
Die hydropneumatische Federung
In der Fachwelt und unter Enthusiasten schwärmt man bis heute von den hydropneumatic suspension system benefits. Anstelle von herkömmlichen Stahlfedern und Stoßdämpfern nutzte der DS mit Stickstoff gefüllte Federkugeln und eine Hydraulikflüssigkeit. Das Resultat war ein Fahrkomfort, der selbst moderne Luxuslimousinen in den Schatten stellt. Bodenwellen, Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster wurden einfach weggefiltert.
Ein entscheidender Aspekt waren dabei die self-leveling suspension technology advantages (die Vorteile der automatischen Niveauregulierung). Egal, wie viel Gepäck im Kofferraum lag oder wie viele Personen einstiegen – das Auto hielt stets konstant seine Bodenfreiheit. Bei einem Reifenwechsel konnte der Wagen sogar das betroffene Rad selbstständig anheben, sodass kein klassischer Wagenheber benötigt wurde.
Dieses System rettete 1962 sogar das Leben des französischen Präsidenten Charles de Gaulle. Bei einem Attentat in Petit-Clamart zerschossen Terroristen zwei Reifen seiner DS-Limousine. Dank der Niveauregulierung verlor das Auto jedoch nicht die Balance; der Fahrer konnte trotz zerschossener Reifen mit hoher Geschwindigkeit entkommen.
Getriebe, Bremsen und Licht
Doch Magès‘ Hydraulik steuerte nicht nur die Federung:
- Bremsen: Der Citroën DS hatte kein herkömmliches Bremspedal, sondern einen kleinen gummierten „Brems-Pilz“ (Champignon). Die Hydraulik sorgte für eine bissige, sofortige Verzögerung, was anfangs oft zu ungewollt starken Bremsungen bei Neulingen führte.
- Schaltung: Die Citromatic semi-automatic transmission operation war eine weitere Sensation. Fahrer mussten nicht mehr kuppeln; ein hydraulischer Zylinder übernahm dies beim Bewegen des filigranen Schalthebels hinter dem Einspeichenlenkrad.
- Beleuchtung: Bei Modellen ab der Neugestaltung 1967 (mit den berühmten Scheinwerfern hinter Glas) begeisterte die swiveling directional headlamps function. Die inneren Fernscheinwerfer waren über Seilzüge mit der Lenkung verbunden und schwenkten in die Kurve hinein – ein Feature, das heute als adaptives Kurvenlicht in modernen Premiumfahrzeugen teuer verkauft wird.

Modellvielfalt: ID versus DS
Obwohl der Citroën DS 19 ein gigantischer Erfolg war, war er in der Anschaffung recht teuer. Um eine breitere Käuferschicht anzusprechen, führte Citroën 1957 ein abgespecktes Modell ein: den Citroën ID (Idée).
Zieht man in der Historie einen ID versus DS variants comparison (Vergleich der ID- und DS-Varianten) heran, zeigen sich deutliche Unterschiede:
- Hydraulik: Der ID behielt die geniale hydropneumatische Federung, verzichtete jedoch auf die hydraulische Lenkunterstützung, das hydraulische Bremssystem (er hatte ein normales Pedal) und die halbautomatische Citromatic.
- Ausstattung: Die Materialien im Innenraum des ID waren simpler, das Armaturenbrett konventioneller gestaltet.
- Leistung: Der Motor war in der Regel etwas leistungsschwächer als bei der DS-Version.
Der ID wurde zum Verkaufsschlager für die obere Mittelklasse, während der DS der unangefochtene Stern am Luxus-Himmel blieb. Im Laufe der Jahre folgten weitere Upgrades, wie der DS 21, der DS 23 sowie extrem luxuriöse „Pallas“-Ausstattungen mit dickem Leder und zusätzlicher Schalldämmung.
Einen Citroën DS kaufen: Tipps für Sammler und Liebhaber
Die Faszination für die „Göttin“ ist heute größer denn je. Wenn Sie ernsthaft mit dem Gedanken spielen, einen Citroën DS kaufen zu wollen, betreten Sie einen Markt voller Möglichkeiten, aber auch voller Tücken.
In jedem seriösen vintage European sedan buying guide (Kaufberater für klassische europäische Limousinen) wird darauf hingewiesen, dass die Komplexität dieses Wagens sowohl ein Segen als auch ein Fluch sein kann.
Worauf Sammler achten sollten
- Die Karosserieform: Es gibt Limousinen, riesige Kombis (Safari/Break) und die unglaublich teuren, seltenen Cabriolets von Henri Chapron.
- Baujahre: Es gibt bestimmte valuable production years for collectors (wertvolle Produktionsjahre für Sammler). Besonders begehrt sind frühe Modelle („Urmodelle“) vor 1962 mit der ersten Front, aber auch die ausgereiften Modelle von 1967 bis 1975, die über das Kurvenlicht und die zuverlässigere LHM-Hydraulik verfügen. Die Spitzenmodelle DS 23 Pallas Injection (Einspritzer) gehören heute zu den teuersten Varianten.
- Originalität: Ein echter Citroën DS sollte in seinem Interieur und seiner Technik möglichst unverbastelt sein. Modifizierte Hydrauliksysteme oder schlecht reparierte Bleche mindern den Wert drastisch.
Wartung und Pflege: Ein Fall für Enthusiasten
Für Fachleute, die sich auf das restoring classic French luxury cars (Restaurieren klassischer französischer Luxusautos) spezialisiert haben, gilt der DS als Meisterprüfung. Wer sich selbst an dieses Fahrzeug wagt, muss einige goldene Regeln beachten.

Der Kampf gegen den Rost
Das Design des DS mag aus Fiberglas und Aluminium bestehen (Dach und Haube), doch das tragende Chassis besteht aus Stahlblech. Ein absoluter kritischer Punkt ist die unibody chassis rust prevention (Rostprävention der selbsttragenden Karosserie).
- Schwachstellen: Prüfen Sie vor einem Kauf unbedingt den Kofferraumboden, die hinteren Fahrwerksaufnahmen, die Schweller und die Unterseite der Türen.
- Prävention: Eine umfangreiche Hohlraumversiegelung mit Spezialwachs oder Fett (z.B. Mike Sanders) ist für jeden DS-Besitzer absolute Pflicht, um das komplexe Kastenrahmen-Chassis vor Feuchtigkeit zu schützen.
Das Lebensblut der Göttin: Die Hydraulikflüssigkeit
Das hydraulische System verzeiht keine Nachlässigkeit. Man muss stets darauf achten, penibel den LHM-Flüssigkeitsstand zu prüfen und aufrechtzuerhalten (to maintain LHM fluid levels). Dabei gibt es einen wichtigen historischen Unterschied zu beachten:
- LHS (Rot): Frühe Modelle nutzten eine synthetische Bremsflüssigkeit auf Pflanzenbasis. Diese war stark hygroskopisch (zog Wasser an) und verursachte schwere Korrosionsschäden im Inneren der Leitungen, wenn sie nicht regelmäßig gewechselt wurde.
- LHM (Grün): Im September 1966 stellte Citroën auf eine mineralische Flüssigkeit (Liquide Hydraulique Minéral) um. Zu erkennen an den grün lackierten Hydraulikbauteilen. LHM ist weitaus weniger aggressiv, greift keine Dichtungen an und verhindert innere Korrosion.
Tipp für Käufer: Überprüfen Sie das System auf Lecks. Leichte Undichtigkeiten kommen vor, aber ein massiver Verlust von grüner (oder bei alten Modellen roter) Flüssigkeit deutet auf teure Reparaturen hin, etwa an der Hochdruckpumpe oder dem Lenkgetriebe.
Einfluss auf die Popkultur
Die Einzigartigkeit des Citroën DS machte ihn nicht nur auf der Straße zu einem Star, sondern auch auf der Leinwand. In Filmen wie „Fantômas“, wo ein modifizierter DS mit ausklappbaren Flügeln zum Flugzeug wird, erlangte der Wagen Kultstatus. Auch in Hollywood-Produktionen oder modernen Serien wie „The Mentalist“ dient das Auto als rollendes Statement für Charaktere mit außergewöhnlichem Geschmack und Intellekt. Das Auto steht symbolisch für eine Epoche, in der Frankreich als Zentrum der kulturellen und technologischen Innovation galt.
Fazit: Mehr als nur ein Automobil
Die Produktion der DS-Reihe endete am 24. April 1975 nach fast anderthalb Millionen gebauten Exemplaren. Ihr Nachfolger, der CX, übernahm viele der technischen Raffinessen, doch den unbeschreiblichen Mythos der „Göttin“ konnte er nie ganz erreichen.
Wer heute am Steuer eines gut gewarteten Citroën DS Platz nimmt, erlebt ein Fahrgefühl, das auch fast 70 Jahre nach der Weltpremiere noch modern, entrückt und zutiefst beeindruckend wirkt. Der Mut von Citroën, alle Regeln des Autobaus über Bord zu werfen, bescherte uns ein zeitloses Meisterwerk. Ob als faszinierendes Sammelobjekt, als technisches Wunderwerk oder einfach als skulpturale Schönheit – die Déesse wird auch in den kommenden Generationen ihren Platz auf dem Olymp der Automobilgeschichte sicher haben.